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„Komm
mal runter ich hab da ein Problem!“
Ich war immer schon ein Hundenarr, aber ich konnte (Arbeit) und durfte (bei
den Eltern) halt nie
einen eigenen Hund haben.
Hermann und ich haben schon oft überlegt wie wir am besten einen Hund halten
konnten, aber wir dachten immer da wir beide zur Arbeit gehen, geht das halt
nicht. Fast jeder Hund der uns bei unseren Spaziergängen über den Weg lief,
ließ sich von mir streicheln oder wollte mit mir spielen. Hermann sagte
immer
"Irgendwann geht einmal einer mit dir nach Hause."
Ich bin am 3. Januar 1997 mit dem Rad unterwegs gewesen, als bei einer
Unterführung neben einem großen
Hotelrestaurant (Kaiserhof) in Landshut ein großer Hund mitten im Weg stand.
Ich sagte zu ihm: “Geh´ heim es ist kalt und dunkel!” Als ich ein Stück weiter
fuhr merkte ich dass der Hund wohl den gleichen Weg wie ich haben musste.
Aus Zeitgründen fuhr ich etwas schneller und oje.. der Hund lief auch
schneller. An der ersten Ampel die auf Rot war stellte ich mich am Rand der
Straße hin und wartete. Der Hund setzte sich neben mich und
wartete
ebenfalls.
Bei Grün startete er gleich mit los, an der zweiten und dritten Ampel
war es genauso. Die Leute in den Autos schüttelten den Kopf und einer zeigte
mir den "Vogel", weil sich der
Hund an der Ampel vor mein Fahrrad setzte und damit teilweise den Verkehr
blockierte. Zudem konnten ihn die Autofahrer in der
Dunkelheit nur schlecht sehen. Dass dies nicht mein Hund war, wussten sie ja
nicht. Und so wie er sich verhielt,
hätte mir das auch niemand geglaubt.
Ich konnte nichts dagegen machen, dass der Hund einfach mit mir mitging und weil ich
nicht wollte dass er überfahren wurde, nahm ich meine Radspinne als
Notleine. Rechts schob ich mein Rad und links
führte ich den Hund zu mir
nach Hause.
Dort angekommen, klingelte ich und rief zu Hermann, er solle doch herunter
kommen, weil ich ein Problem habe. Wir wohnten im vierten Stock ohne Aufzug, und
Hermann arbeitete gerade an seinem ersten Buch, einem Fantasy - Roman mit
dem Titel "Aschereide". Es war klar, dass er dabei nicht gestört
werden wollte.
“Hermann ich kann nichts dafür, der ist einfach mitgelaufen”,
sprudelte es aus mir hervor als mein Mann die 4 Stockwerke herunter gekommen
war und ganz aufgeregt erzählte ich was sich zugetragen hatte.
Dann wollte ich mein Rad in die Garage bringen und Hermann sollte
einstweilen "Schlappi" (so sagte ich damals zu dem Hund wegen seiner
Schlappohren) in die Wohnung rauf bringen. Der aber hüpfte ganz erschrocken zurück und wollte
einfach nicht mit Hermann mitgehen. Aus Protest legte sich der Hund auch
gleich auf den Rücken.
Also brachte ich "Schlappi" in die Wohnung rauf. Mit mir ging er ohne Probleme
mit. In der Wohnung angekommen, legte sich der Hund sofort in unser winziges Badezimmer,
legte sich hin und
war
binnen 3 Minuten eingeschlafen.
Ich sagte zu Hermann, dass ich mir sofort Urlaub nehmen und den Hund so lange
versorgen würde, bis die Besitzer gefunden sind.
Es bedurfte aller Überredungskunst von Hermann, mich davon zu überzeugen, die Polizei
über den Fundhund zu informieren, da er ja vielleicht
schon gesucht wird. Die kamen und
nahmen "Schlappi" gegen seinen Willen aber ohne großen Zwang mit. Er sollte
ins Tierheim in
einen Notzwinger gebracht werden, da zu diesem Zeitpunkt dort niemand mehr
da war,
um ihn ordentlich aufzunehmen.
Ich war zu diesem Zeitpunkt schon so verliebt in das Tier, das ich ganz
traurig
wurde als "Schlappi" nun weg war.
Hermann sagte, der hätte so gestunken und wäre so dreckig gewesen, aber das
bezweifle ich, ich habe
davon nichts bemerkt.
Mein größter Wunsch war ja immer schon einen Hund zu besitzen. Als
Mädchen hatte ich immer die Hunde aus der ganzen Nachbarschaft ausgeführt
und mit 6 Jahren
durfte ich regelmäßig eine 12 Jahre alte Dogge
aus dem Tierheim spazieren führen (mich
sah man dahinter oft gar nicht).
Doch zurück zu "Schlappi": Ca. 15 Minuten nachdem die Polizei ihn weg geführt
hatte, klingelte es wieder bei uns. Die Polizisten baten um ein paar
Wurstscheiben, weil "Schlappi" sich weigerte, in den Hundekäfig des
Polizeikombis einzusteigen.
Jetzt haltet euch fest!
Ich rannte sofort mit der frischen Aufschnittwurst nach unten und da stand
ein ganz armer Hund, und inzwischen drei Polizisten. "Schlappi" ging trotz
der Wurst nicht mit den Polizisten und den Polizei
Hundeführer Karl-Heinz hätte er beinahe
gebissen, aber aus Angst. Sie wollten irgend eine Schlinge holen, aber da
wurde ich wütend. "Dann führe ich ihn zu Fuß ins Tierheim und wenn ich
eine Woche
dazu brauche!" sagte ich zu den Polizisten.
Ich schickte die Männer
(einschließlich Hermann) um die nächste Ecke und bat noch darum, den Funk auszuschalten, weil
"Schlappi" jedes Mal zusammenzuckte, wenn
das Gerät ein Geräusch von sich gab.
Ich gab "Schlappi" zwei Wurstscheiben, streichelte ihn und ging dann mit der Wurst
in der Hand in den
Käfig im Polizei Kombi. Der Hund folgte mir. Karl-Heinz, der Hundeführer machte sofort die
Käfigtür
zu und wir beide waren gefangen.
Er fragt noch ob ich eventuell mitfahren wolle. Mein Mann sah noch
freudig funkelnde Augen von mir
und weg waren wir, zusammen mit seiner Wurst die eigentlich für das
Abendbrot gedacht war.
Nachdem ich vom Tierheim wieder zurückgekehrt war, machte ich mir solche
Vorwürfe, weil der arme Hund so ein Vertrauen zu mir hatte und ich ihn jetzt
ganz alleine im Notzwinger des Tierheims im Stich gelassen hatte. Ich konnte nicht schlafen und Hermann konnte mich gar nicht
mehr beruhigen.
Gleich am Morgen rief ich im Tierheim an, die mich gleich
ganz blöd anmachten, weil sie der Meinung
waren, ich hätte meinen eigenen
Hund da einfach abgegeben. Sie wollten mir meine Geschichte
gar nicht recht glauben.
Bei einem weiteren Anruf einige Stunden später teilten sie mir mit, dass
"Schlappi" jetzt versorgt sei,
sich die Besitzer
gemeldet hätten und er gegen Mittag abgeholt werde.
In den nächsten 14 Tage war ich zu nichts zu gebrauchen. Ich musste immer an
den Hund denken, weil er
genau
so war, wie mir ein Hund gefallen würde. Ich ließ das Essen verbrennen, vergaß
beim Einkaufen
mal die Bananen, mal das Brot und stand ewig vor den Hundefutter
Regalen.
Es war grauenhaft, aber eines wusste ich, bis zur Rente wie wir es
vorgesehen hatten, wollte ich nicht mehr warten bis ich einen Hund habe und
ich wollte am liebsten diesen Streuner. Jedem schwarz-braunen
Hund sah ich
nach ob es nicht der "Schlappi" ist. Sogar in Gärten wo ein
Hundewarnschild angebracht
war hielt ich vergeblich Ausschau ob er nicht
irgendwo dahinter lebte.
Hermann musste wohl eine Lösung finden, damit er wieder ein ganz normales
Abendessen bekommt und
wieder eine vollwertige Frau hat. Er wollte über das
Tierheim die Telefonnummer der Besitzer haben,
aber die bekam er beim ersten Anruf nicht.
Erst als er beim zweiten Mal den
Zustand des Hundes
schilderte und ankündigte, er wolle die ordnungsgemäße Haltung überprüfen, wurden die
vom
Tierheim netter und gaben die
Adresse heraus. Es war ja wirklich so gewesen, die Kette war
damals so
eingewachsen, dass ich sie gar nicht aus seinem Fell bekam,
als ich die
Radspinne einhängen wollte.
Hermann rief bei den Besitzern an und die Frau beklagte auch, dass sie sich
bei uns bedanken wollte,
aber vom Tierheim unsere Adresse nicht bekommen hatte.
Nachdem sich Hermann und die Besitzerin von
"Schlappi" am Telefon ausgesprochen hatten, bat
er ob
seine hundenärrische Frau vielleicht einmal mit dem Hund
spazieren gehen dürfe.
"Schlappi"s Frauchen (eine Landwirtin) war sogar sehr froh darüber, weil sie eh nie Zeit für “ Ricky ”
(so ist sein richtiger Name) hat.
Nebenbei erzählte sie, dass Ricky an jenem Tag als er mir zugelaufen war, Geburtstag hatte.
Sie meinte scherzhaft, dass er wohl zum
Essen gehen wollte.
Sie hatte auch noch Rickys Hundemutter und Hundoma am Hof. Rickys Oma war eine ganz
Böse. Sie hat
Ricky immer gebissen. Das nur nebenbei.
Ich habe von Hermanns
Kontaktaufnahme mit Rickys Besitzerin erst erfahren, als
Hermann
mich in der Arbeit anrief und mir mitteilte, ich müsse sofort nach Hause
kommen,
weil ein Problem mit den Schlangen sei. Von Ricky sagte er nichts, da er
mich überraschen wollte.
Er holte mich mit dem Auto ab und ........wir fuhren gar nicht nach Hause.
Er klingelte an einer Haustüre und plötzlich stand mein "Schlappi" da. Ich war
ganz hingerissen,
die Frau bemerkte ich gar nicht. Wir bekamen eine Leine in
die Hand und machten
einen großen Spaziergang.
"Mei der Ricky", sagte ich
die ganze Zeit, "mei so a Freid, ja is des sche..."
(Für die Nordlichter: "Ach der Ricky, so eine Freude, ja ist das schön")
Er war auch ganz lieb, und wir gingen zu Fuß an der Isar entlang zu uns nach
Hause
und wieder zurück.
Von nun an durfte ich jeden Tag
und so lange ich wollte mit Ricky spazieren gehen.
Wie schon erwähnt lebten auf dem Hof auch noch Rickys Hundemutter und Hundeoma.
Die waren immer
ganz grantig zu ihm, fraßen ihm immer alles weg, so sahen sie auch aus: Wie
Mettwürste auf vier Streichhölzer.
Oftmals wenn ich ihn abholte musste ich ihn aus einem Gewächshaus holen wo
lauter angefaulte Gemüseblätter lagen, dort wurde er im Winter oft mit
seiner Oma und Mutter eingesperrt .
Auch zu seinem Besitzer ging er nie freiwillig hin oder nur geduckt bis zur Größe
eines Dackels,
er hatte solche Angst vor ihm.
Er war auch immer total verdreckt wenn ich ihn holte, und stank so arg: Auch
hatte er immer Durchfall. Entweder er war total dürr oder total aufgebläht,
aber das interessierte die Besitzer kaum. Da er immer wieder ausriss,
überlegten sie, ihn kastrieren zu lassen und wurden vom Tierheim auch dazu noch bestärkt.
Ricky riss nämlich immer wieder aus und lief
zu uns nach Hause, und das über eine
Strecke von ca. 6 km.
Jedes Mal, wenn er stiften ging, rief die Besitzerin aufgeregt an und sagte:
"Meine Güte
sucht ihn,
wenn mein Mann ihn erwischt erschlägt er ihn!"
Einmal wartete er Stunden vor der großen Eingangstüre zum unserem Wohnblock bei
eisigster Kälte auf mich. Ein anderes Mal fand ich ihn auf der halben
Strecke zu uns. Damals fing er vor lauter Freude an zu pinkeln.
Nun durfte er ab und zu auch mal über das Wochenende bei uns bleiben, und er
war so artig
und so brav, ein richtiger Musterhund.
Trotzdem
war
er auch total scheu und verängstigt und hatte immer Angst etwas
falsch zu machen.
Als ich ihm zum ersten mal ein Stöckchen zum Spielen warf, zog er sich
zusammen und legte sich ganz
klein auf den Boden denn er hatte Angst geschlagen zu werden.
Erst als ich selbst dem Stecken nachlief und ihn aufmunterte traute er sich
anschließend, ihn vorsichtig zu nehmen. Sein erstes eigenes Spielzeug trug er den
ganzen Spaziergang mit ohne es einmal fallen zu lassen.
Er ging nie weg von
mir weg, nicht mal 2 Meter, und verfolgte mich sogar bis zur Toilette.
Seinem damaligen Herrn näherte er sich höchstens bis auf 10 Meter. Er vermied ihn so
gut es ging.
Aber jedes Mal, wenn ich Ricky nach dem Spaziergang oder nach einem
Wochenende bei uns wieder abgab, wurde die Zeremonie unerträglicher
und er heulte dann oft stundenlang und fraß nichts mehr.
Fragt mich nicht,
wie es mir ging...
Im Wohnblock durften wir ihn nicht behalten, was sollte man da tun?
Wir kauften uns ein kleines Einfamilienhaus in Landshut/Auloh und adoptierten Ricky.
Seine ehemaligen Besitzer wollten ihn Anfangs
nicht hergeben, obwohl sie nie Zeit für ihn hatten. Als er jedoch einmal in
ein Auto lief als er wieder mal ausgerissen war und zu uns wollte, war für
sie das
Maß voll und sie verkauften ihn doch an uns.
Glücklicherweise wurde Ricky damals nur leicht
verletzt und
am Auto entstand kein Schaden.
Irgendwie ist uns da ein kleiner Engel ins Haus geflattert, und wir sind so
glücklich miteinander, auch der damals nur für die Schublade geschriebene
Roman "ASCHEREIDE" von Hermann wurde veröffentlicht
und das es uns so gut
geht, haben wir einfach dem Ricky zu verdanken.
Am 3. Januar waren es 9 Jahre seit wir mit ihm unter einem Dach leben und ich
könnte mir kein schöneres Leben vorstellen.
Ich verzichtete sogar beruflich auf einen Aufstieg wo ich ständig unterwegs
gewesen wäre
um nicht einen Tag von Ricky getrennt zu sein. Was sind schon Karriere,
Urkunden usw. gegen ein liebendes Hundeherz?
Ricky dankt mir meine Liebe zu ihm täglich!
Er ist ein super guter Freund fürs Leben geworden, so wie man sich einen
guten Hund vorstellt, er ist auch
ein sehr guter Hütehund (Schafe)
geworden, er liebt meinen (seinen) Zwerghasen der ihn oftmals ganz
schön
nervt, wäscht und bewacht meine Meerschweinchen, und ich weiß er liebt mich
und würde alles
für mich tun.
Wir machen keine Turniere, keine Prüfungen, und auch nichts was uns keinen
Spaß macht.
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