Boa c. amarali

 
"Kurzschwanzboa"
(Stull, 1932)

copyright information

 

 

Boa c. Amarali – Die US – Fehleinschätzung

Dieser detaillierte Bericht ist eine kleine Leseprobe aus unserem neuen Buch

"Reinrassige Boa constrictor",

das im Herbst 2006 erscheinen wird.

Die brasilianischen Kurzschwanzboas (Boa c. amarali) kommen in den Savannen des Bundesstaates Sao Paolo und im Pantanal, das südlich der Serra dos Parecis liegt, vor. Das zentrale Hochland der Serra dos Parecis bildet die südliche Grenze des brasilianischen Amazonasbeckens, dem Verbreitungsgebiet von Boa c. constrictor.

Die Serra dos Parecis stellt eine natürliche Barriere dar, welche die Riesenschlangen nicht überwinden können. Aus diesem Grund kommen Mischformen der beiden Unterarten in Brasilien nicht vor.

Das Verbreitungsgebiet der brasilianischen Kurzschwanzboas wiederum ist zweigeteilt, da Sao Paolo zum Landesinneren hin von Bergland umgeben ist. Dieses bildet eine natürliche Barriere zum Pantanal. Insofern sind die Kurzschwanzboas aus den Savannen des Bundesstaates Sao Paolo weitgehend von den Boa c. amarali im Pantanal isoliert.

Die brasilianischen Kurzschwanzboas gehören zu den weniger farbenprächtigen Vertretern der Abgottschlangen und unterscheiden sich im Gegensatz zu ihren (Unter-) Artgenossen aus Bolivien sehr deutlich von Boa c. constrictor.

In der Terraristik hat sich für die Brasilianischen Amarals Boas aus der Region Sao Paolo der Name „Silverbacks“ eingebürgert. Diese Bezeichnung stammt aus den USA und wurde zunächst nur für hellgraue (silbergraue) Exemplare benutzt, dann in Europa allmählich für alle anderen Kurzschwanzboas aus der Region Sao Paolo übernommen. Dies, obwohl die meisten Tiere dunkelgrau oder bräunlich und nicht silbergrau gefärbt sind. Übrigens findet sich bei diesen Tieren häufig eine helle Stelle an der Kopfunterseite, die wie eine Pigmentstörung aussieht, aber keinen Krankheitswert hat.

In Europa wird nach unserem Kenntnisstand nur die Sao Paolo Variante der brasilianischen Boa c. amarali gehalten. Die einzige Europäische Quelle für solche Tiere lag lange Zeit in Dänemark, daher die Bezeichnung „Dänische Blutlinie“.

Brasilianischen Kurzschwanzboas aus dem Bundesstaat Sao Paolo gehören zu den wenigen Vertretern von Boa constrictor, die aufgrund ihrer Optik zweifelsfrei einer bestimmten Region zugeordnet werden können.  

Umso mehr verwundert es, dass auf US - Amerikanischen Boa constrictor Internetseiten häufig Kurzschwanzboas, deren Aussehen keinen Zweifel daran lässt, dass ihre Vorfahren aus der Gegend um Sao Paolo/Brasilien stammen, als „Bolivian Amaralis“ bezeichnet werden.

Teilweise ist auf den Fotos sogar der für viele Sao Paolo Tiere typische helle Fleck an der Kopfunterseite deutlich zu erkennen.

 

Auf diesem Foto sehen Sie eine Farmnachzucht von Boa c. amarali aus Sao Paolo/Brasilien. Der für die Tiere aus dieser Region typische helle Fleck am Hals ist
deutlich zu erkennen.

 

 

Diese Amarals Boa stammt aus einer US - Nachzucht und wurde dem jetzigen Eigentümer als "Bolivian Amarali" (Bolivianische Amarali) verkauft.

Foto: Adam Botond

Das Tier hat jedoch das unverwechselbare Äußere einer Kurzschwanzboa aus dem Bundesstaat Sao Paolo in Brasilien. Sogar der helle Fleck am Hals findet sich.
In unseren Augen ein schlagender Beweis für die
US – Fehleinschätzung.

Foto: Adam Botond

 

 

Bereits im Jahr 1999 bekamen wir Zweifel an dieser Einstufung der amerikanischer Boa constrictor Halter und kontaktierten deshalb einen uns bekannten Bolivianischen Herpetologen, Francis C. Vasquez, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Vasquez hatte zusammen mit einigen Kollegen im Rahmen eines Projektes für den Artenschutz an vier verschiedenen Orten in Bolivien ungefähr 600 Boa c. amarali gesammelt. Das macht ihn in unseren Augen zu einem kompetenteren Ansprechpartner, als Amerikanische Boa constrictor Halter und Züchter.

Wir schickten damals Vasquez Fotos von "Silverbacks" aus der Dänischen Blutlinie und baten ihn um seine Einschätzung.

Er antwortete uns, dass keine der von ihm gesammelten Bolivianischen Amarals Boas so ausgesehen hatte, wie die Exemplare auf den Fotos, die wir ihm zukommen ließen.
Diese Auskunft verwundert auch nicht wenn man bedenkt, dass zwischen Sao Paolo und dem Verbreitungsgebiet von Boa c. amarali in Bolivien mehr als 1000 km liegen. Ein identisches Äußeres ist schon aufgrund der großen Entfernung völlig unmöglich. Zudem ist – wie bereits erwähnt - die Sao Paolo Region zum Landesinneren hin von einer Gebirgskette umgeben, die eine natürliche Barriere gegen das Verbreitungsgebiet weiter westlich darstellt.  

 

Auf dieser topografischen Karte von Brasilien ist deutlich zu sehen, dass die Sao Paolo Variante von Boa c. amarali durch Bergland sowohl von der Pantanal Variante der Kurzschwanzboa als auch von Boa c. constrictor isoliert ist.  Auch die Pantanal Variante ist durch Bergland von Boa c. constrictor isoliert

Schon aus diesem Grund ist es nicht vorstellbar, dass in Bolivien Kurzschwanzboas mit dem Aussehen der Sao Paolo Tiere vorkommen, zumal noch das gesamte Verbreitungsgebiet des
Pantanal dazwischen liegt.

Durch die Abgeschlossenheit der Verbreitungsgebiete ist es zudem ausgeschlossen, dass im Süden Brasiliens Kurzschwanzboas mit der Optik einer Boa c. constrictor vorkommen.

Dies ist nur bei Bolivianischen Boa c. amarali (Fotos sehen Sie am Ende der Seite) der Fall, weil hier kein natürliches Hindernis zum Verbreitungsgebiet von Boa c. constrictor existiert.

 

Wie kam es nun dazu, dass die Brasilianischen Kurzschwanzboas aus der Sao Paolo Region in den USA als Bolivianische Amaralis bezeichnet werden?

Ein denkbarer Grund wäre, dass die Tiere bei ihrer ersten Vermarktung in den USA irrtümlich falsch deklariert wurden und sich dieser Irrtum seitdem hartnäckig hält.

Es ist aber auch möglich, dass diese Brasilianischen Kurzschwanzboas über Bolivien ausgeführt wurden, da aus Brasilien bis vor wenigen Jahren kein legaler Export von geschützten Tieren möglich war.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was die Amerikaner dann als brasilianische Boa c. amarali präsentieren, wenn sie die „richtigen“ fälschlicherweise dem Nachbarland Bolivien zuordnen.

Klickt man entsprechende Fotos im Internet an, so erscheinen rotschwänzige Tiere mit heller Färbung. Diese werden als „South Brazilian Amarali“ (Südbrasilianische Amarali) bezeichnet und unterscheiden sich optisch kaum oder gar nicht von Boa c. constrictor. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn es sind teilweise Boa c. constrictor, aber auch Mischlinge (mehr dazu gleich) zwischen Boa c. constrictor und Boa c. amarali. Bei den meisten dieser Tiere erkennt man schon am viel zu langen Schwanz, dass es sich hier nicht um Boa c. amarali handeln kann.

Besonders bekannt ist die Blutlinie des inzwischen verstorbenen US - Züchters Lloyd Lemke. Seine Tiere haben als Brasilianische Kurzschwanzboas großen Ruhm in den USA erlangt. Leider hat die Sache einen Haken: Eine Bestimmung nach der Anzahl der dorsalen Schuppenreihen, durchgeführt von (nein, nicht von uns!) den amerikanischen Boa constrictor Spezialisten Dennis Sargent und Jim Pomaville outete diese Tiere als Boa c. constrictor.

Wer uns kennt weiß, dass wir der Schuppen- und Sattelfleckenzählerei eher skeptisch gegenüber stehen, da bei Festlegung des Normbereiches für eine bestimmte Unterart immer nur eine sehr begrenzte Anzahl von Exemplaren untersucht wurde.

 

Boa c. constrictor
 Brasilien (Lloyd Lemke Blutlinie)

Man beachte auch den für eine Boa c. amarali
viel zu langen Schwanz
Foto: Jim Pomaville

 

In diesem Fall haben wir jedoch keine Zweifel an der Feststellung von Sargent und Pomaville, denn so helle rotschwänzige, „Boa c. constrictor – mäßig“ aussehende Tiere inmitten des Verbreitungsgebietes der „Silverbacks“ wäre ungefähr so logisch wie die Existenz rothaariger Weißer in einem Kral afrikanischer Nomaden im Kongo.

Wie uns von mehreren zuverlässigen Quellen in den USA mitgeteilt wurde, haben viele Züchter in den USA „South Brazilian Amaralis“ (also Boa c. constrictor) mit reinrassigen Amaralis verpaart. Dies geschah teilweise aus einer Fehleinschätzung heraus, aber auch um den an fehlender Farbenpracht leidenden Kurzschwanzboas ein „Face Lifting“ zuteil werden zu lassen.  So kommt es, dass in den USA mittlerweile viele Boa c. constrictor X Boa c. amarali - Mischlinge auf dem Markt sind. Wir haben auch schon Fotos solcher Tiere gesehen. Sie zeigen eindeutig Merkmale beider Unterarten, besonders (wie bereits erwähnt) einen für Boa c. amarali zu langen Schwanz.

 

Dieses Tier hat das typische Aussehen jener Exemplare, die
in den USA als "South Brazilian Amarali" vermarktet werden.

 Das Foto wurde bei bei
São Domingos/Brasilien
aufgenommen.  


(Foto mit freundlicher Genehmigung von  Tony Gamble) http://www.tc.umn.edu/~gambl007/index.html

São Domingos (Bundesstaat Goiás/Brasilien) liegt bei 13º23'54 südlicher Breite und
46º19'06" westlicher
Länge...
 
...und somit im Verbreitungsgebiet von
Boa c. constrictor
!

Das abgebildete Tier ist also eine Boa c. constrictor, keine Amarali.

Ein weiteres Beispiel:
Diese Boa wurde im Brasilianischen Amazonasbecken
(Verbreitungsgebiet von Boa c. constrictor) fotografiert.
Es sieht ebenfalls aus wie eines jener Tiere, die in
den USA als "South Brazilian Amarali"
vermarktet werden.

Aber auch hier handelt es sich um ein Boa c. constrictor

(Foto mit freundlicher Genehmigung von 

ThinkQuest Library Support
)

http://library.thinkquest.org/20248/fau.html

 

Korrekterweise sei noch gesagt, dass es auch in den USA Halter und Züchter von Boa constrictor gibt, die schon seit Jahren auf die in diesem Kapitel geschilderte Fehleinstufung hinweisen. Diese guten Leute haben es da drüben nicht einfach. Denn der Wahrheit stehen die wirtschaftlichen Interessen bedeutender US - Züchter entgegen, die an der bewährten Vermarktung der Tiere festhalten wollen.

Wir hoffen, dass wir mit diesem Kapitel verhindern können, dass die US – Fehlinformation auch hierzulande Fuß fasst.

 

Boa c. Amarali
 Bolivien
In Bolivien gehen die Verbreitungsgebiete von Boa c. constrictor und Boa c. amarali ohne natürliches Hindernis ineinander über. Daher haben die Kurzschwanzboas aus dem Norden des Verbreitungsgebietes im Gegensatz
zu den Brasilianischen Amaralis schon eine gewisse Ähnlichkeit mit Boa c. constrictor. Man beachte jedoch, dass die abgebildeten Tiere den typischen kurzen "Amaralischwanz" haben.
Foto: Volker Kratzke