Vincent P. Russo hat zusammen mit seinem Bruder Paul Russo und Robert M. Price 1991 erstmals die
Boa c. longicauda beschrieben. Wir freuen uns, dass er unsere Homepage dazu benutzt, exklusiv einen Artikel über zwei (neue?) Boas, die er auf seiner Reise durch Ecuador fand, zu veröffentlichen.H + E Stöckl
Überarbeiteter Kommentar
zur Gattung BOA Teil 2.
von Vincent P. Russo
Cutting Edge Herpetological, Deer Park, New York , U.S.A.
|
|
Der Autor mit einer Boa c. constrictor aus
Ecuador, 80 km nördlich der |
Es ist offenkundig, dass hinsichtlich der taxonomischen Einordnung nach Unterarten bei den meisten Boas aufgrund des Mangels an Informationen vieles im Argen liegt. Insbesondere wenn es um Boas aus Ecuador und Peru geht.
Copes
Beschreibung von Boa ortonii (1878) war sehr vage. Er lieferte keine sonderlich
detaillierte Beschreibung
des Aussehens, außerdem blieb er bei den Angaben über das Verbreitungsgebiet
sehr unbestimmt (Piura südlich von La Libertad an der Westküste von Peru).
Auf einer Reise nach Ecuador, die ich kürzlich unternahm, fand ich einige interessante Informationen über Boa c. imperator aus Ecuador, Boa c. longicauda aus Tumbes in Peru, eine neue Ecuador Boa und Peruanische Rotschwanzboas (Ortonii?)
Unserer Beschreibung von Boa c.
longicauda 1991 ging eine
langwierige Arbeit voraus, um alle Informationen zusammen zu tragen, die für
die Anerkennung dieser Peruanischen Boa als eigene Unterart notwendig waren.
Aufgrund von Grenzstreitigkeiten zwischen Ecuador
und Peru (die bis heute andauern) war es uns auch nicht möglich, nach Tumbes zu
gelangen.
Die größte Herausforderung bestand darin, den
Unterschied zwischen der neuen Boa (Boa
c. longicauda)
und der alten Beschreibung von Boa c. ortonii herauszufinden.
Setzen wir jetzt einmal die Gültigkeit der
taxonomischen Einordnung von Boa
c. ortonii voraus. Nur liegt die Provinz Tumbes außerhalb
ihres Verbreitungsgebietes an der Nordwestküste Perus. Tumbes ist eine
Halbinsel, die im Norden nach Ecuador hineinreicht. Außer dem südwestlichen
Teil ist Tumbes also von Ecuador umgeben. Die Frage, die wir uns nun stellten
ist: „Warum sollte das Verbreitungsgebiet von Boa c. longicauda
nicht
nach Ecuador hineinreichen?“
Während eines Gespräches mit Dennis Sargent auf der
Daytona National Reptile Breeders Expo im Jahr 2000 (die Reptilienbörse in
Daytona/Florida – Anmerkung des Übersetzers) erfuhr ich, dass das
Verbreitungsgebiet von Boa c. longicauda tatsächlich bis nach Ecuador
hineinreichen dürfte. Dennis zeigte mir das Buch „Serpientes
de Ecuador“ von Santos & Moreno. In ihm war ein Bild einer Boa, die
wir als Boa c. longicauda ansehen würden. Als Verbreitungsgebiet dieses
Tieres wurden die (Bundes-) Staaten Guayas und Manabi genannt.
Aus diesem Grund brach ich zu einer Reise in das fragliche Land – Ecuador - auf.
Während einer Reise nach Cape York Peninsular in
Australien habe ich eine wertvolle Lehre erhalten. Damals verbrachte ich zwei
Wochen im Urwald auf der Suche nach Pythons und fand überhaupt nichts. Erst als
ich einen Fremdenführer ausfindig machte, der selbst Interesse an Schlangen
hatte, war ich erfolgreich.
In Ecuador war es nicht anders. Ich sprach die Leute an
und ließ sie mein Interesse an Boas wissen. Ich hatte Glück und fand auch hier
einen Fremdenführer, der selbst Interesse an Boas hatte. Er sagte mir, er wüsste
wo wir solche Tiere finden könnten.
Wir
begannen unsere Reise an der Ostseite der Anden auf der Suche nach
Rotschwanzboas (Boa c. constrictor) nahe einer Stadt namens Wayusentsa.
Es war ein 2.5 stündiger Trip nach Südosten per Flugzeug (Zwölfsitzer) von
Quito, Ecuador, aus. Dann waren wir 1.5 Stunden auf dem Fluss per Kanu
unterwegs.
Unser
letzter Stop war die Kapawi Hütte. Dies ist eine Öko-Hütte im Regenwald wo
Naturalisten, Vogelbeobachter und Leute, welche die unberührte Natur erleben
wollen, verköstigt werden.
Am
darauffolgenden Morgen brachen meine Frau und ich mit einem Achuar Indianer als
Fremdenführer auf. Dieser Achuar Führer war der einzige Einheimische den ich
getroffen habe, der sich nicht vor Schlangen fürchtete. Die meisten
Einheimischen würden eine Schlangen sofort töten, wenn sie eine sehen. Auch würden
sie wegen der Anakondas nicht in den Fluss steigen.
Mit
einem Kanu bewegten wir uns südlich den Pastaza Fluss hinunter. Wir waren etwa
80 Kilometer nördlich der Peruanischen Grenze. Dieser Ausflug war nicht anders
als jeder andere meiner bisherigen Urwaldreisen. Wir verbrachten viele Tage um
Boas zu suchen und fanden nur eine.
An einer solch weitläufigen Örtlichkeit können diese Schlangen überall sein.
30 Meter hoch auf einem Baum oder tief eingegraben in eine hohle Wurzel. Unser
Fremdenführer stellte uns einen sehr einzigartigen Achuar Indianer vor, der
einige Haustiere hatte. Eines davon war eine wunderschöne Boa. Er lebte auf
einer Halbinsel, die von den Schnittpunkten des Capahuari Flusses und des
Pastaza Flusses gebildet wird. Die Boa hatte er auf seinem Grund und Boden
gefangen. Dieses Tier war jenen Boas sehr ähnlich, welche die Leute "Iquitos
Peru Rotschwanzboa" oder Boa c. ortonii nennen. Es hatte 19 dunkle Rückenflecken
und eine gelb/braune Grundfarbe.
|
|
"Haustierboa" des
|
Offensichtlich konnte es aber keine Boa c. ortonii sein,
da in Copes Beschreibung von einer
Schlange westlich der Anden die Rede ist. Dieses Tier war zweifellos eine Boa
c. constrictor (östlich der Anden). Hat sich nun Copes Boa c. ortonii von
einem Teil des Landes in den anderen begeben? Oder war Copes Boa c. ortonii
die Boa, die von manchen Züchtern als „Schwarze Peruanische Rotschwanzboa“
bezeichnet wird?
Aufgrund der Anzahl der Schuppen wissen wir, dass er sich
nicht auf Boa c. longicauda bezogen hat. Diese stimmen nicht mit der
Originalbeschreibung der Boa c. ortonii überein.
Ich bin auch geneigt zu glauben, dass Schlangen von der Nordwestküste Perus
sehr dunkle Boas sind. Auch wissen wir, dass Boa c. constrictor östlich
der Anden leben und Boa c. imperator westlich davon.
Daher führte mich der zweite Teil meiner Tour zurück zur
Westseite der Anden, an einen Ort namens Guayaquil. Dort traf ich einen Peruaner
der mir erklärte, er könne mich ohne Probleme nach Tumbes/Peru bringen. Es sei
nur 5 Autostunden von Guayaquil. Als ich mich mit den örtlichen Ecuadorianern
unterhielt, warnten sie mich und meinten, das es eine unsichere Sache sei. Die
Leute wirkten aufrichtig, deshalb folgte ich ihrem Rat. Der Peruaner hingegen
wirkte auf mich etwas verdächtig.
Deshalb ging es zurück nach Quito. Mein Fremdenführer am
Amazonas hatte mir von jemanden in Quito erzählt, der ein Serpentarium
betreiben würde. Ich brauchte keine Zeit zu verschwenden um diese Person zu
finden, denn sie wohnte nur 2 Blocks von meinem Hotel entfernt (Schicksal). Ich
traf einen wundervollen Menschen, Maria Elena Barragan von der „Fundacion
Herpetologica“
Ich fragte sie, ob sie denn auch eine Boa c. longicauda
hätte und sie sagte: „Ja, ich habe eine, aber sie stammt nicht aus Tumbes.
Sie ist aus Loja, Ecuador". Loja ist eine Stadt südwestlich der Anden. Es
ist eine sehr heiße, trockene und wüstenartige Gegend. Ich werde diese Boa in
diesem Artikel als „Loja Boa“ bezeichnen.
|
|
Boa c.
longicauda (?) |
Ich sagte ihr, dass ich das Tier gerne sehen würde. Endlich, eine „Ecuador longicauda“? Ich konnte meinen Augen nicht glauben. Es war eine dunkle, schwarze Schlange. Der Boa c. longicauda zwar ähnlich, aber auch mit deutlichen Unterschieden zu ihr. Die Loja Boa hat etwa 31 Sattelflecken (Boa c. longicauda 19 – 21 und Boa c. ortonii 15 – 19) und einzigartige, diamantförmige Rückenflecken. Die breite, speerspitzenförmige Zeichnung am Kopf und die blaue Kopffärbung der Boa c. longicauda fehlte dieser Boa. Der Kopf erinnerte mich an eine Argentinische Boa. Das Tier, dass ich untersuchte war ein Weibchen.
Ich hatte vergeblich gehofft, dass es ein Männchen sei,
denn dann hätte ich die Sondierungstiefe mit Boa c. longicauda
vergleichen können. (Boa c. longicauda haben eine sehr große
Sondierungstiefe, daher der Name „Langschwanzboa“).
Das Exemplar war klein für eine Schlange, die seit 10
Jahren in Gefangenschaft gehalten wird. Etwa 1.5 Meter lang. Eine Zwergboa?
|
|
Die "Loja - Boa" - eine Zwergboa? |
Ich war immer schon der Meinung, dass
„Dunkle Boas“ gewöhnlich aus einer Gegend mit kühlen klimatischen Verhältnissen
kommen. Bei dieser Loja Boa war es nicht anders. Das Klima dort wo sie herstammt
beinhaltet eine ziemlich kalte Winterperiode (beziehungsweise Regenzeit) von
ungefähr 15 Grad Celsius und sehr große Hitze und Trockenheit im Sommer.
Maria Elena hatte auch einige sehr interessante Ecuador Boa
c. imperator. Auf den ersten Blick sahen sie wie sehr hellgelbe Boa c.
longicauda aus. Sie hatten schwarze Schwänze und schwarz umrandete
Sattelflecken. Einige davon waren nicht verbunden. Ich hatte Schwierigkeiten die
Sattelflecken zu zählen, denn bei allen dieser Boas waren sie teilweise
gestreift und die Schwanzflecken irregulär. Auch diesen Schlangen fehlte die
breite speerförmige Kopfzeichnung der Boa c. longicauda. Aber es
waren wunderschöne schwarz/gelbe Exemplare, etwa 150 cm lang und schon
geschlechtsreif. Sie hatten bereits zweimal nachgezogen. Alle Tiere stammten von
einem trächtigen Wildfangweibchen aus Provincia Esmeraldas, Rio Verde, Nordwest Ecuador ab. Dieses trächtige
Tier wurde 1989 gefangen und der „Fundacion Herpetologica“
geschenkt.
|
|
Bo |
Als ich diese Ecuador Imperatorboas betrachtete, fragte
ich mich, ob diese Schlangen das Ergebnis einer natürlichen Vermischung an der
nördlichsten Verbreitung von Boa c. longicauda und der südlichsten
Verbreitung von Boa c. imperator sein können?
Hier ist noch Forschungsarbeit erforderlich.
Deshalb habe ich nicht nur Boa c. longicauda in
Ecuador gefunden, sondern vielleicht einige neue Boas (die "Loja longicauda"
und die "Ecuador imperator"). Unsere Forschung hierüber hat gerade
erst angefangen.
|
|
Eine natürliche Übergangsform
|
Ich will noch sehen, dass ich einige abgelegte Häute von
diesen Tieren (der Loja und den imperatoren) bekomme, um die Unterschiede
zwischen ihnen und der "Tumbes longicauda" zu untersuchen. Außerdem
plane ich eine Reise nach Loja, Ecuador um diese seltene Boa zu finden. Maria
Elena meinte, dass es eine große Herausforderung sein würde, ein solches Tier
ausfindig zu machen, da ihr Exemplar das einzige ist, dass in mehr als 10 Jahren
dort gefunden wurde.
Zusätzlich bin ich gerade dabei herauszufinden, ob sich
ein präpariertes Exemplar des Holotyps von Copes Boa c. ortonii im
„Harvard Museum der Vergleichenden Zoologie“ befindet.
Ich bin neugierig darauf zu sehen, was es wirklich ist.
Ich werde einen weiteren Artikel über dieses Thema schreiben, sobald mir mehr
Informationen darüber zur Verfügung stehen.
Schlussfolgernd möchte ich noch hervorheben, wie wichtig
es ist zu helfen, diese Boas in ihrer natürlichen Umgebung zu erhalten. Man
sollte bedenken wie selten es gelingt, ein solches Tier in seiner natürlichen
Umgebung zu sehen und wie viele jedes Jahr nach Europa und den USA exportiert
werden. Wir müssen alle versuchen, durch Zucht in Gefangenschaftshaltung das Überleben
jeder einzelnen Sorte von Boas sicherzustellen und dabei zu helfen, die
Blutlinien rein zu erhalten.
Vincent P. Russo