Zucht von Boa constrictor
Zum Züchten benötigen Sie mindestens ein weibliches und ein männliches Exemplar. Wir weisen auf diese Selbstverständlichkeit deshalb hin, weil so mancher stolze Riesenschlangenbesitzer beim ersten Zuchtversuch feststellen musste, dass ihm Jahre vorher beim Kauf der Tiere zwei Exemplare des gleichen Geschlechts angedreht (...hätten wir beinahe geschrieben) wurden.
Deshalb gilt, dass der erfolgreiche Zuchtversuch schon bei der gewissenhaften Auswahl der Tiere beim Erwerb anfängt. Wie wir bereits ausgeführt haben, ist die beste Quelle ein Züchter mit guter Reputation. Wenn Sie ihre Tiere woanders erwerben und selbst nicht über genügend Erfahrung bei der Geschlechtbestimmung verfügen, sollte - falls vorhanden - ein sachkundiger Bekannter mitgehen.
Die besten Zuchttiere werden immer jene sein, die Sie als Babys gekauft und dann selbst aufgezogen haben. Die unsichersten Kantonisten sind Wildfänge. Dies gilt besonders für solche, die erst vor kurzem eingeführt wurden. Abgesehen vom meist fragwürdigen Gesundheitszustand ist ihre Abhängigkeit von bestimmten klimatischen Gegebenheiten zur Auslösung von Paarungsbereitschaft und Fruchtbarkeit um ein Vielfaches höher als bei Nachzuchten.
Da es meist an exakten Klimadaten aus dem Herkunftsland der Schlange fehlt oder es schwierig ist, die entsprechenden klimatischen Gegebenheiten im Terrarium einigermaßen exakt zu simulieren, sind Nachzuchterfolge mit Wildfängen relativ selten.
Die Geschlechtsbestimmung bei Riesenschlangen ist eine der ersten Fertigkeiten die ein angehender Züchter erwerben sollte.
Schon beim Aussuchen der Jungtiere für spätere Zuchtprojekte ist es von Nutzen, sich nicht auf die Fähigkeiten (und die Ehrlichkeit) des Verkäufers der Tiere verlassen zu müssen.
Stellen Sie sich vor, Ihre jahrelange Mühe wurde endlich mit einen Wurf Riesenschlangenbabys belohnt. Und jetzt kommen die Kaufinteressenten und Sie können Buben und Mädel nicht auseinander halten (wir meinen jetzt die Schlangen, nicht die Kaufinteressenten).
Um dies zu vermeiden, wollen wir so gut es in der Theorie geht, die gängigsten Methoden der Geschlechtsbestimmung bei Riesenschlangen darstellen:
Die einzige Methode, bei Jungtieren zweifelsfrei festzustellen, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt, ist das Sondieren. Dies geschieht mittels einer metallenen Knopfsonde, die im Fachhandel in verschiedenen Größen erhältlich ist.
Bei der Geschlechtsbestimmung wird eine der Größe des Tieres angemessene und vorher mit Vaseline gleitfähig gemachte Sonde am linken oder rechten Rand der Kloake eingeführt und anschließend mit sanftem (!) Druck in Richtung Schwanzspitze geschoben.
Dabei dringt die Sonde in die Hemipenistasche des Männchens oder die Moschusdrüse des Weibchens ein. Je nach Art der Riesenschlange ist bei den Weibchen der Weg der Sonde nach 2 bis 5 und bei den Männchen nach 6 bis 15 subcaudalen Schuppen (das sind die Schuppen nach der Kloake in Richtung Schwanzspitze) zu Ende. Um dies "auszumessen" legen Sie Ihren Zeigefinger, nachdem die Sonde vollständig eingeführt wurde, an jener Stelle an, wo sie in die Kloake eindringt. Anschließend ziehen Sie die Sonde heraus, legen sie außen (mit dem Fingernagel des Zeigefingers am Ende der Kloake) an die Unterseite des Schwanzes und zählen die subkaudalen Schuppen.
In dem vorher erwähnten Werk von Ross und Marzek befindet sich auf Seite 39 ein umfangreiches Verzeichnis über die Eindringtiefen bei den verschiedenen Arten von Boas.
Eine weitere Methode, bei Jungschlangen das Geschlecht zu bestimmen, ist das Abtasten des Schwanzes. Dies geschieht, indem der Zeigefinger von der Kloake beginnend mit sanftem Druck in Richtung Schwanzspitze streicht. An der Oberseite des Schwanzes übt der Daumen sanften Gegendruck aus. Handelt es sich bei dem Tier um ein männliches Exemplar, ist beim entlang streichen kurz hintereinander ein leichtes, zweimaliges "knuspeln" zu spüren. Dies geschieht durch den Hemipenis, der unter dem Druck des Zeigefingers leicht verschoben wird.
Diese Art der Geschlechtsbestimmung funktioniert bei den meisten Boas. Allerdings ist sie auch mit Fehlern behaftet. Spannt ein Männchen die Muskulatur im Schwanzbereich an, kann das "knuspeln" ausbleiben und das Tier wird irrtümlich für ein Weibchen gehalten.
Bei einer adulten Schlange ist es aufgrund des erhöhten Ansatzes von Fettgewebe und Muskulatur im Schwanzbereich nicht mehr möglich, mit dieser Methode zum Erfolg zu kommen. Hier geben bei vielen Arten die Aftersporne einen wichtigen Hinweis auf das Geschlecht. Sie sind bei den Männchen wesentlich stärker ausgeprägt.
Der Eintritt der Geschlechtsreife hängt hauptsächlich vom Alter und Gewicht der Boas ab. In der Regel tritt sie bei normaler Fütterung im Alter von ca. 4 Jahren ein. Durch so genanntes "Powerfeeding" (das heißt: füttern, was rein geht) können manche Riesenschlangen sogar innerhalb von eineinhalb Jahren zur Geschlechtsreife gebracht werden. Dies wird von einigen Züchtern in den USA praktiziert, geht aber sehr zu Lasten der Gesundheit der Tiere.
In der Regel sind die Männchen ca. ein Jahr eher geschlechtsreif als die Weibchen. Es macht überhaupt nichts, wenn der "Bock" bei Eintreten der Geschlechtsreife noch etwas mickrig ist, Hauptsache er produziert fruchtbares Sperma. Ist dies der Fall, spielt seine Größe keine Rolle. Wir haben schon viel über kleine und schmächtige Boa constrictor Männchen geschmunzelt, die voller Freude Weibchen mit der 5fachen Körpermasse bepaarten.
Im umgekehrten Fall raten wir davon ab, "grenzwertige" Weibchen zur Zucht zu verwenden. Das Ergebnis wird - sofern das Tier überhaupt aufnimmt - mit einer handvoll Jungen recht mager ausfallen. Hinzu kommt, dass durch die häufig vorkommende Nahrungsverweigerung während der Trächtigkeit die Schlange in dieser Zeit kaum wächst. Das bedeutet: Auch beim nächsten Wurf wird das Ergebnis (was die Anzahl der Jungen betrifft) nicht berauschend sein. Außerdem besteht die Gefahr, dass zu junge Weibchen Schwierigkeiten bei der Ablage der Jungen, bzw. Eier haben und daher entweder eingehen oder ein Fall für den Operationstisch werden. Zudem wird durch eine zu frühe Trächtigkeit das Wachstum der Schlange in einer Phase gehemmt, wo es noch besonders stark ist.
Deshalb sollte sich der angehende Züchter gedulden und lieber noch ein Jahr warten. Er wird dafür mit einer wesentlich größeren Ausbeute und bleibender Gesundheit des Muttertieres belohnt.
Man nehme ein Männchen und zwei, besser noch drei Weibchen. Der Bock wird seinen Job machen, alle bepaaren und ein gutes halbes Jahr später kann sich der Züchter vor lauter Schlangenbabys gar nicht mehr retten. Da es sich um reinrassige Boa constrictor handelt, findet er problemlos Käufer und wird steinreich.
Soweit die Theorie. Die Praxis sieht leider anders aus. Nicht was den reißenden Absatz reinrassiger Boa constrictor betrifft, sondern die fromme Mär vom "Bock, der drei Weiber dick macht" (um im Züchterjargon zu sprechen).
Wir haben noch nie erlebt und auch noch nie gehört, dass ein Männchen gleichzeitig zwei Weibchen geschwängert hat UND vernünftige Wurfzahlen herauskamen. Es kommt wohl vor, dass zwei Weibchen von einem Männchen erfolgreich begattet werden, aber das Ergebnis sieht dann aus wie bei einem Bekannten von uns. Der hatte zwei Boa c. imperator Weibchen, Verbreitungsgebiet Kolumbien. Beide geschlechtsreif, sehr kräftige Tiere, annähernd 2 m lang. Während der Paarungszeit waren sie mit einem Männchen zusammen und wurden abwechselnd bepaart. Ein Weibchen bekam 11 Junge und legte 12 unbefruchtete Eier, das andere hatte 4 Junge und 8 so genannte Wachseier.
Wir sind sicher, dass die Ausbeute wesentlich größer gewesen wäre, wenn er nur ein Weibchen (das größere) zum Männchen gegeben hätte. Ähnliche Ergebnisse von anderen Züchtern sind uns bekannt. Wir haben für diese Erfahrung viel Lehrgeld zahlen müssen. Während der Paarungszeit 1999/2000 gaben wir unser Boa c. longicauda Männchen zu zwei ebensolchen Weibchen. Unser fleißiges Männchen bepaarte beide intensiv. Während bei dem größeren Weibchen die Bemühungen erfolgreich waren (sie bekam 17 Junge), hatte das zweite Weibchen lauter unbefruchtete Eier und starb an der Narkose bei der Operation der Legenot. Hierzu ist zu sagen, dass es für ein Boaweibchen viel anstrengender ist, so genannte "Wachseier" zu legen, als Junge zu gebären. Die Jungen "rutschen" einfach besser. Offenbar ist eine intensive Bepaarung über die gesamte Paarungszeit nötig, um eine Befruchtung aller Eier zu gewährleisten.
Auf die Problematik der Legenot und der unbefruchteten Eier werden wir später noch ausführlich eingehen.
Wenn sie also die Wahl haben, entweder zwei Männchen und ein Weibchen oder ein Männchen und zwei Weibchen zu einer Zuchtgruppe zusammenzusetzen, empfehlen wir, sich für die erste Möglichkeit zu entscheiden. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Sorten handelt, die schwer nachzuzüchten sind, wie zum Beispiel Boa c. constrictor. Bei diesen zeigen sich die Männchen oft paarungsunlustig. Ein zweites Männchen kann hier Abhilfe schaffen, da die Rivalität zwischen beiden oftmals die Paarungsbereitschaft (auch des Weibchens) erhöht.
Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass der Zuchterfolg zum größten Teil von der Paarungsbereitschaft des Männchens abhängt. Und mit der ist es bei manchen Boa- und Pythonarten nicht allzu weit her. Sie können das schönste und kräftigste Weibchen haben, wenn der Bock nicht anspringt, nützt Ihnen das überhaupt nichts. Deshalb unser Rat für angehende Züchter: Jede Zuchtgruppe sollte mindestens aus zwei, besser noch aus drei Männchen bestehen.
Die "Winterruhe"
Vor Beginn der Paarungszeit verringert der von dieser Maßnahme überzeugte Züchter schrittweise die Beleuchtungsdauer, sowie die Temperatur in den Terrarien. Während dieser so genannten "Winterruhe" hat die Fütterung zu unterbleiben, da der Stoffwechsel der Tiere womöglich soweit herabgesetzt wird, dass eine ordnungsgemäße Verdauung nicht mehr gewährleistet ist. Die Reduzierung der Tageslichtdauer und die Senkung der Temperatur werden höchst unterschiedlich gehandhabt. Manche Riesenschlangenhalter verringern die Haltungstemperatur nur um 2° Celsius und die Beleuchtungsdauer in den Terrarien um 2 Stunden, andere praktizieren eine Nachtabsenkung auf bis zu 15° Celsius und schalten das Licht ganz aus. Nicht selten geschieht das ohne genaue Kenntnis der klimatischen Gegebenheiten des Verbreitungsgebietes der gepflegten Tiere. Rekordinhaber bei der Temperaturabsenkung ist ein Riesenschlangenhalter aus Oberbayern, der seinen Königspython mit den Nattern bei ca. 8° C überwinterte. Wir brauchen nicht zu betonen, dass der Köpy das nicht überlebt hat.
Nach einer gewissen Zeit, die je nach Überzeugung des angehenden Züchters zwischen vier und 10 Wochen liegt, werden die Ausgangswerte schrittweise wieder hergestellt und ....die Antibiotikaspritzen aufgezogen.
Damit sind wir bei einem wichtigen Punkt. Bei den meisten hierzulande zur Zucht verwendeten Riesenschlangen handelt es sich um solche, die im Terrarium zur Welt gekommen und dort aufgewachsen sind oder um Wildfänge, die sich ebenfalls schon lange in menschlicher Obhut befinden. Diese Tiere besitzen nicht mehr die Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen, wie frei lebende Riesenschlangen. Daher quittieren Terrarientiere die mit der so genannten „Winterruhe“ einhergehende Verminderung der Haltungstemperatur in vielen Fällen mit einer deftigen Atemwegsinfektion. In so einem Fall ist die Zuchtsaison für dieses Tier gelaufen.
Nach unserem Kenntnisstand sind mittlerweile beinahe alle hierzulande gehaltenen Riesenschlangenarten ohne Einhaltung einer "Winterruhe" nachgezogen worden. Das gilt auch für Sorten, die aus Regionen kommen, wo es ganz schön frisch werden kann. Als Beispiel können wir hier Boa c. occidentalis, die Argentinische Boa nennen. Diese wurde von einem Bekannten ohne jede Veränderung der Haltungstemperatur und Beleuchtungsdauer regelmäßig nachgezogen, und das bei einer relativ hohen Haltungstemperatur (tagsüber 30° Celsius, nachts 26° Celsius).
Wir wollen bei dieser Gelegenheit auf einen Aspekt hinweisen, dem bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde: In den Sommermonaten erfolgt die Nachtabsenkung der Temperatur durch die höhere Raumtemperatur wesentlich langsamer als im Winter.
Ein Beispiel: Die Haltungstemperatur beträgt untertags 29° C bei einer Nachtabsenkung um 6° C. Der Nachttiefstwert wird in den Sommermonaten durch die relativ hohe Raumtemperatur (die wiederum durch die Außentemperatur bedingt ist) erst in den frühen Morgenstunden erreicht, während dies im Winter, wenn draußen -10° Celsius gemessen werden, oft schon nach einer guten Stunde der Fall ist.
Die Anzahl der Wärmestunden verringert sich somit ohne irgendwelche zusätzlichen Veränderungen. Deshalb: Sollte eine Kühlung der Boas Voraussetzung für deren Reproduktion sein, wird dies durch die schnellere Nachtabsenkung in der kalten Jahreszeit auch so erreicht. Dasselbe gilt auch für die Reduzierung der Tageslichtdauer. Auch das regelt hierzulande der natürliche Ablauf der Jahreszeiten. Bleibt noch festzustellen, dass diese Art der (von der Natur vorgegebenen) "Winterruhe" keinen gesundheitlichen Schaden an den Tieren verursacht und eher zum Erfolg führt als irgendwelche Gewaltkuren.
Surinamrotschwanzboas (Boa c. constrictor) gehören zu den am schwierigsten nachzuzüchtenden Riesenschlangenarten. Einer der erfolgreichsten Züchter dieser Tiere hielt sein Zuchtpaar 12 Monate im Jahr zusammen. Der Bock war sogar anwesend, wenn das Weibchen seine Jungen bekam.
Mittlerweile liegen uns mehrere gleich lautende Haltungsbeschreibungen von erfolgreichen Züchtern anderer Arten von Riesenschlangen vor. Auch wir haben diesbezüglich einen Erfolg versprechenden Versuch laufen. Daher sind wir nicht mehr sicher, dass Männchen und Weibchen außerhalb der Paarungszeit zu trennen sind.
Eine permanente Vergesellschaftung beinhaltet einen riesengroßen Vorteil: Der richtige Zeitpunkt für die Zusammenführung beider Geschlechter kann nicht mehr versäumt werden. Riesenschlangenbabys, geboren in einer Jahreszeit, in der diese Art eigentlich gar nicht zur Welt kommen dürfte, sind das Ergebnis einer solchen permanenten Vergesellschaftung. Das zeigt, dass Arten, die eigentlich als saisonal (= Paarung und Geburt der Jungen finden jedes Jahr zur selben Zeit statt) gelten, durch die Terrarienhaltung asaisonal werden können oder es schon immer waren. Die Unterstellung einer Saisonalität mag auch oft der Grund für mangelnden Zuchterfolg sein. Wenn Tiere während der fruchtbaren Phase im Sommer getrennt sind, weil der Züchter der Meinung ist, dass die Fertilität nur von Oktober bis März gegeben ist, geht halt nun mal nichts.
Für die Anhänger der Geschlechtertrennung außerhalb der Paarungszeit (zu denen wir bis vor kurzem auch gehörten) noch der Hinweis, das es besser ist, das Weibchen zum Männchen zu geben. Wie in einem anderen Kapitel schon erwähnt, ist die Paarungswilligkeit des Bockes das A und O des Zuchterfolges. Wenn das Männchen keine Lust verspürt, kann sich der Züchter auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln, es wird trotzdem nichts. Deshalb ist es ratsam, den angehenden „Paarungsbock“ so wenig wie möglich abzulenken oder zu irritieren. Das Umsetzen in ein anderes Terrarium kann bereits alle Paarungslust zum Erliegen bringen.
Wir denken, dass sowohl die Trennung als auch die ständige Vergesellschaftung beider Geschlechter hinsichtlich des Zuchtvorhabens Vor- und Nachteile hat. Es muss hier jeder selbst herausfinden, wie er mit seinen Tieren zum Erfolg kommt.
Wenn das Männchen Paarungslust verspürt, beginnt es über das Weibchen zu kriechen und die Angebetete am Körper abzuzüngeln. Die so Umworbene versucht in der Regel den Nachstellungen des Verehrers zu entkommen, indem sie weg kriecht. Meist verfolgt der Bock die Schlangenfrau dann so lange durchs Terrarium bis sie endlich aufgibt und stillhält. Dann geht’s zur Sache.
Das Geschlechtsorgan des Männchens, der so genannte Hemipenis ist y - förmig. Eines der beiden Enden wird bei der Paarung in die Kloakenöffnung des Weibchens eingeführt.
Meist ist diese nicht sofort dazu bereit. Der Bock versucht deshalb, sein Ansinnen durchzusetzen, indem er mit seinem Schwanz den des Weibchens fest umklammert und in kurzen Abständen zusammendrückt. Ein weiteres Mittel der Verführung ist das Kratzen mit den Afterspornen an den Flanken des Weibchens. Diese wenige Millimeter bis zu einem halben Zentimeter großen, klauenartigen Gebilde befinden sich links und rechts neben der Kloake des Männchens. Es handelt sich dabei um die Überreste der hinteren Extremitäten, welche die Schlangen im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte eingebüßt haben. Bei Männchen sind die Aftersporne wesentlich stärker ausgeprägt als bei den Weibchen. Diesen Umstand macht sich der erfahrene Riesenschlangenhalter zunutze, um das Geschlecht adulter Tiere zu bestimmen.
Doch zurück zu den Paarungsversuchen des Männchens.
Diese können sich über viele Stunden hinziehen und enden oft erfolglos. Das Weibchen weigert sich standhaft, die Kloake zu öffnen um dem Männchen das Eindringen zu ermöglichen. So mancher Riesenschlangenhalter der gerne gezüchtet hätte, verspürte schon Mordlust angesichts eines Weibchens, das sich wochen- oder sogar monatelang verweigert.
Uns ging es am Anfang auch nicht anders, bis wir feststellten, dass dieses wochenlange Werben erst zur Produktion befruchtungsfähiger Eier im Körper des Weibchens führt. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, öffnet das Weibchen seine Kloake und erlaubt dem Bock, seinen Hemipenis einzuführen. Wie vorher schon erwähnt, wird nur eine Verzweigung dieses Geschlechtsorganes eingeführt, die andere verbleibt in der so genannten Hemipenistasche.
Nicht wenige potentielle Züchter haben sich selbst um ihren Erfolg gebracht, weil sie ihre Schlangen zu früh wieder separierten. Die Ovulation beim Weibchen geht mit einer erheblichen Zunahme des Körperumfanges einher. Hier von einer bereits eingetretenen Trächtigkeit auszugehen und weitere Paarungen durch Trennung der Zuchttiere zu unterbinden, ist der beste Weg, dem Weibchen eine Ladung unbefruchteter Eier (sog. "Wachseier") zu verschaffen. Damit steigt auch die Gefahr einer Legenot (später noch mehr zu diesem Thema).
Wie schon erwähnt, kennen wir mehrere erfolgreiche Züchter, die beide Geschlechter während des ganzen Jahres, auch während der Trächtigkeit des Weibchens oder des Geburtsvorganges, zusammen halten. Die Gefahr, eine erfolgreiche Befruchtung durch zu frühes Separieren der Zuchttiere zu verhindern, ist damit praktisch ausgeschlossen. Den Anhängern der Geschlechtertrennung empfehlen wir, diese erst herbeizuführen, wenn mindestens drei Wochen keine Paarung mehr beobachtet werden konnte.
Trächtig, oder nicht trächtig, das ist hier die Frage. Oder wie hieß das in Shakespeares "Macbeth"?
Spaß beiseite. Jeder Riesenschlangenhalter, der Paarungen seiner Tiere beobachtet hat, wird natürlich das Weibchen immer wieder kritisch mustern und sich fragen, ob es geklappt hat, oder nicht. Deshalb wollen wir uns jetzt mal die möglichen Anzeichen der Trächtigkeit ansehen:
Bei einem trächtigen Schlangenweibchen zeigt sich diese im Bereich kurz hinter der Körpermitte. Während die Umfangvermehrung bei der Ovulation nur wenige Tage dauert und danach wieder verschwindet, bleibt sie bei der Trächtigkeit bestehen. Allerdings erscheint auch hier das Weibchen phasenweise wieder mal etwas dünner, je nachdem wie die Eier zu liegen kommen.
Trächtige Weibchen verweigern oft, aber nicht immer das Futter. Ein reduzierter Appetit lässt sich aber fast immer feststellen. Da gerade die Rede davon ist: Auch trächtigen Weibchen sollte regelmäßig Futter angeboten werden, selbst wenn sie es monatelang verschmähen. Irgendwann wollen sie vielleicht doch wieder mal zwischendurch einen Happen. Hier empfiehlt es sich aber, frisch tote oder aufgetaute Nager zu verwenden, um die werdende Mutter nicht in unnötige Ringkämpfe zu verwickeln. Auch auf Hasen und Meerschweinchen sollte in dieser Zeit verzichtet werden, da der „Bauchraum“ der trächtigen Riesenschlange ohnehin schon ziemlich ausgebucht ist.
Dies ist ein Merkmal, das fast immer zutrifft. Wenn die Riesenschlange aufgenommen hat, wird sie in der Regel passiv. Sogar unser Bahia Island Boa Weibchen (Boa c. imperator), das nachts immer das Terrarium zerlegte (4 Leuchtstoffröhren der Marke „Repti-glo“ gehen auf ihr Konto) wurde zu unserer großen Freude im Zustand der Trächtigkeit zur „faulen Sau“ und gab endlich Ruhe. Zur Strafe für die Zerstörung der Röhren haben wir übrigens ihre Jungen verkauft.
Wir wollen nicht unerwähnt lassen, dass es auch Weibchen gibt, die während der Trächtigkeit aktiver sind als sonst. Das kommt allerdings nur sehr selten vor.
Eine trächtige Riesenschlange hat ein größeres Bedürfnis nach Wärme, das sie ausgiebig befriedigt, indem sie häufig und für längere Zeit die wärmste Stelle im Terrarium aufsucht. Dem aufmerksamen Besitzer sollte diese Verhaltensänderung nicht verborgen bleiben.
Dieser Punkt hat auch etwas mit dem erhöhten Bedürfnis nach Wärme zu tun. Fast immer nehmen die schwangeren Weibchen eine dunklere Färbung an, um mehr Licht und damit mehr Wärme zu speichern.
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Trächtige
Boa constrictor Weibchen drehen oft den Bauch seitlich. Dies Im Bild eine so genannte "Firebelly Boa" |
Bei den Boas läuft die Geburt nach dem Motto „was du siehst ist was du kriegst“ ab. Also kein Rumraten, ob das Ei noch gut ist, ob es auch wirklich befruchtet wurde, ob das Junge darin noch lebt usw. wie bei den Eier legenden Pythons.
Die Boababys werden in einer elastischen, transparenten Eihülle geboren, die sie durchstoßen müssen. Hier trifft die Natur bereits ihre erste Auswahl: Die schwächlichen Tiere schaffen es nicht und gehen zugrunde.
Wir haben aber auch schon mehrmals gesehen, dass Boamütter nach der Geburt mit ihrer Schnauze die Jungen zur Aktivität stimulieren, bzw. die Eihüllen aufreißen um ihnen zu helfen. Sollten Sie das Glück haben, dem Geburtsvorgang beizuwohnen, können Sie diese Arbeit übernehmen, wenn es die Boamutter nicht tut. Es sei denn, Sie wollen hart sein und nur das am Leben lassen, was stark ist.
Sollten Sie selbst Hand anlegen, ist Vorsicht geboten, denn beim Geburtsvorgang und danach ist mit einer Boamutter nicht gut Kirschen essen.
Zusammen mit den Jungen werden bei der Geburt meistens auch unbefruchtete Eier, so genannte „Wachseier“ mit ausgeschieden. Wenn Sie Pech haben, wurde kein Ei befruchtet und es erfolgt eine Lieferung von 100% Wachseier (der Wunschtraum eines jeden Züchters).
In der Natur sind neugeborene Boas von Anfang an völlig auf sich allein gestellt. Als Nestflüchter verlassen sie schon nach wenigen Stunden den schützenden Bereich der Mutter. Gesunde und fitte Tiere häuten sich innerhalb von 14 Tagen nach der Geburt und fressen anschließend selbständig.
Insofern wäre außer den erforderlichen Reinigungsmaßnahmen im Terrarium nichts zu veranlassen. Es hat jedoch verschiedene Vorteile, wenn den Boababys eine Erstversorgung zuteil wird. Und die sieht folgendermaßen aus:
Durch diese Handhabungen gleich nach der Geburt und am nächsten Tag wird das Riesenschlangenbaby an den Menschen gewöhnt und verliert den größten Teil ihrer angeborenen Aggressivität. Außerdem verhindern Sie durch die Versorgung der Nabelschnur mögliche aufsteigende Infektionen.
Der Dottersack mit dem die Boababys über die Nabelschnur verbunden sind, ist bei normal entwickelten Tieren zum Geburtszeitpunkt komplett aufgebraucht. Aber es sind oft auch Riesenschlangenbabys mit im Wurf, die noch einige Tage „gebraucht hätten“. Diese hängen noch an einem mehr oder weniger großen Dottersack.
Es wäre jetzt falsch, sie auf die vorher beschriebene Weise davon zu trennen. Versuchen Sie, das Tier mitsamt dem Dottersack in eine „Petbox“ (Plastikbehälter) zu geben, die mit angefeuchteten Papierküchentüchern ausgelegt ist. Geben Sie den Behälter mit dem Tier in ein warmes Terrarium. Mit etwas Glück wird das Frühchen noch einen guten Teil des Dottersackes aufnehmen und so den Sprung ins Leben genauso wie seine gut entwickelten Geschwister schaffen.
Noch ein Hinweis für Erwerber von Boababys: Der etwa 1.5 cm lange „Längsschnitt“ am Bauch der Tiere ist normal. Er stammt von der Nabelschnur, die an dieser Stelle war. Das verwächst sich mit der Zeit.