Sie haben einen Veranstaltungskalender erwartet? Da suchen Sie bei uns vergebens, da wir strikt gegen Börsen sind. Aber bevor Sie die Seite verlassen, sollten Sie sich die Zeit nehmen den folgenden
Abschnitt mal durchzulesen. Kann ja nichts schaden, oder?

 

Schlangenbörsen (oder: Wo man

ein Tier besser nicht kauft)

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"Drei Monate habe ich ihn jetzt mitgeschleppt, heute ist er endlich weggegangen",

meinte ein Händler mit einem Stoßseufzer gegen Ende einer großen Reptilienbörse in Augsburg zu seinem Tischnachbarn.

Gemeint war ein junger Netzpython (Python reticulatus) der dem Verfasser wegen seiner wund geriebenen Schnauze schon vorher aufgefallen war.

Das Tier hatte permanent versucht, ein Schlupfloch aus seinem engen Gefängnis zu finden, indem es jeden Millimeter des Behältnisses mit der Schnauze nach Schwachstellen untersuchte. Auf diese Weise hatte sich der Python im Laufe der Zeit die Schuppen so abgerieben, dass das rohe Fleisch zu sehen war. Die Aussage des Händlers ließ keinen Zweifel über die Dauer des Martyriums des armen Geschöpfes zu.

Jener Vorfall, den der Verfasser persönlich mitbekam, wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf derartige Veranstaltungen. Während der "Hochsaison" (die mittlerweile schon im März beginnt und bis November dauert) findet in Deutschland und den benachbarten Ländern jeden Samstag und/oder Sonntag in irgendeinem anderen Kaff eine Reptilienbörse statt.

Diese haben sich in den letzten 8 Jahren mit der Geschwindigkeit einer ansteckenden Seuche ausgebreitet und wirken auch wie eine auf die Tiere, die dort zum Verkauf angeboten werden.

Ein großer Teil der Beschicker sind (un-) professionelle Händler, die von Reptilienbörse zu Reptilienbörse tingeln und die Tiere zwischen zwei Veranstaltungen oftmals nicht einmal aus ihren Tupperschüsseln, in denen diese zusammengerollt gerade noch Platz haben, auspacken.

Wir haben schon oftmals von unseren Schlangenfreunden gehört, dass Tiere die sie auf einer Börse erworben haben, schon nach kurzer Zeit krank wurden und verendet sind. Woher kommt das?

Anstarren ist im Tierreich ein aggressiver Akt. Die Reaktion darauf ist entweder Angriff oder Flucht. Beides  ist der Boa in dem kleinen Behälter nicht möglich, wenn sie von neun Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags permanent von den neugierigen Augen hunderter Besucher begutachtet wird. Da sie sich nicht einmal verkriechen kann, weil dies ja eine Ausstellung ist und kein Versteckspiel, steht das Tier permanent unter Stress. Von den ungünstigen Temperatur- und anderen Verhältnissen auf der Börse, sowie der An- und Rückfahrt wollen wir hier gar nicht reden. Teilweise werden die ersten Deals schon auf dem Parkplatz vor dem Veranstaltungsort abgewickelt. Keiner schert sich darum, dass hierzulande im März vielleicht nicht die richtigen Temperaturen herrschen, um eine tropische Riesenschlange im Freien gründlich zu begutachten.

Kommt ein Kaufinteressent, wird das Tier auf Wunsch auch aus dem Behältnis genommen.

Bei einer gut besuchten Börse kann dies schon ein knappes Dutzend mal geschehen und die arme Kreatur darf von Glück reden, wenn sie dabei nicht noch mehrmals sondiert wird, um dem potentiellen Käufer das Geschlecht zu beweisen. Wie wir auch erfahren haben, muss die Herrentoilette schon mal als Ort herhalten, an dem die Länge des feilgebotenen Tigerpythons nachgemessen wird.

Dieser Dauerstress beeinträchtigt natürlich das Immunsystem. Krankheitserregende Bakterien, die – wie wir eingangs schon ausgeführt haben – in jeder Schlange zu jeder Zeit vorhanden sind und durch das Immunsystem bisher kurz gehalten wurden, können sich nun ungestört vermehren. Folge: Die Schlange wird krank.

Handelt es sich bei dem Reptil dann noch dazu um einen "Börsentouristen", der sämtliche Sporthallen und Wirtshaushinterzimmer in Deutschland (wo die Börsen üblicherweise stattfinden) schon einmal von innen gesehen hat, können Sie sich dann zu dem Kauf nur gratulieren. Herausragendes Beispiel, dass trotz großen Aufwandes seitens der Behörden eine solche Veranstaltung niemals tierschutzgerecht durchgeführt werden kann, ist die "Terraristika" in Hamm, die größte Reptilienmesse Europas.

Falls es Sie interessiert, wie es dort so zugeht, empfehlen wir Ihnen als Lektüre den Bericht von Jürgen Kromer:

Skandal-Börse in Hamm!

Nach meinem Besuch der Terraristika in Hamm will ich euch hier meine Meinung dazu nicht mehr vorenthalten. Die Zustände auf dieser Börse waren skandalös!

Ich will hier natürlich keine seitenlange Monologe vom Stapel lassen, aber ich kann und will, der Tiere wegen, nicht mit meinen Erfahrungen dort "hinter dem Ofen bleiben". So kann man mit Tieren nicht umgehen. Noch der geringste Misstand war, dass von allen Rotschwanz-Boas (Boa constrictor constrictor), die als reinrassig angeboten wurden, es keine einzige war. Für solche Fehler kann ohne weiteres Unwissenheit geltend gemacht werden. Schon bedeutend übler fand ich, dass von 3 Boa constrictor occidentalis die ich dort sah, 2 Tiere unüberschaubar an infektiöser Maulfäule litten. Und wenn mir der Händler auf mein Nachfragen antwortet: "Meine Tiere hier sind alle gesund!" dann muss die Kompetenz des Verkäufers in Zweifel gezogen werden. In solche Hände gehören keine fühlenden Geschöpfe Gottes. Ein guter Bekannter von mir der auf dieser Börse eine größere Anzahl Nattern gekauft hatte, hatte bis heute eine Ausfallquote von 25%. Das sagt doch wohl schon alles.

Auch ist es so, dass laut Börsenordnung, die Verkaufsterries artgerecht sein müssen, sowie einen dreiseitigen Sichtschutz haben sollten. "Was immer das für die dortigen Händler bedeuten mag?"

Auf keinen Fall aber darf es bedeuten, dass die Echsen, Schlangen und Amphibien in kleinste "Kartoffelsalat-Becher" gepfercht werden. Ich habe mir einige solche Behälter mal mitgenommen und hier vorliegen. Sie haben eine Grundfläche von 9cm X 9cm, bei einer Höhe von 6cm. Darin kann kein Tier artgerecht präsentiert werden. Kein einziges. Mit eigenen Augen sah ich dort 2 junge Warane, die in diesen "Salat-Bechern" angeboten wurden. Man musste sie regelrecht aufrollen, um sie in diese Behälter zu zwängen. Beide Warane befanden sich in einem typischen Schockzustand, und lagen auf der Rückseite. Es ist schockierend, aber gerade diese Tiere wurden von den vorüberziehenden Massen immer wieder gegriffen, und unter dem freundlichen Lächeln des Händlers mal kräftig durchgeschüttelt. Und zwar nicht zu zimperlich. Auch hier habe ich mir die Freiheit genommen, mal nachzufragen was das denn solle. "Ich wollte nur mal sehen, ob sie noch leben!" bekam ich als Antwort.

Und wer jetzt glaubt, dass diese "Kartoffelsalat-Becher" nur einlagig gestapelt wurden, liegt auch falsch. An manchen Verkaufsständen dieser ach so tierlieben Reptilienhändler waren die Becherchen vierfach, sogar fünffach übereinandergestapelt. Jeder vernünftig denkende Mensch begreift sofort, zu welchen Zuständen das führt. (Nicht so die dortigen Händler!) auf Grund des riesigen Andranges der dort herrschte, musste man sich an den Verkaufsständen regelrecht anstellen. Natürlich will auch jeder mal sehen, welches Tier sich in den untersten Behältern befindet. Das Gedränge von hinten war groß. Also wurden die Tiere, von oben nach unten, und von links nach rechts durchgestapelt. Dies musste natürlich schnell gehen. Sie gingen von einer Hand in die Andere, und waren stetig in Bewegung. An einem dieser Stände waren zwei von vier dort angebotenen "Rauhen Grasnattern" bereits tod!!! Was soll ich da noch sagen?

Besonders schwer hatten es die "artgerecht" vorgeführten Tiere, mit dem dreiseitigen Sichtschutz an den Plastik-Bechern. Da fast jeder Interessent die Tiere auch von allen Seiten sehen wollte, war hier das Geschüttle besonders grausam.

Ich finde ein solches Verhalten auch bei Insekten verwerflich. Wenngleich die Behältergröße für sie vielleicht noch ausreichend sein mag.

Noch viele Seiten könnte ich darüber berichten, und wer es selbst gesehen hat, der wird mir recht geben müssen. Es gab noch mehr Mißstände. Ich war zum ersten mal auf der Terraristika in Hamm, und musste mir zu meinem Entsetzen auch noch sagen lassen, dass sich die dortigen Zustände, im Vergleich zu früher, stark gebessert hätten!

Zur Ehrenrettung der dortigen "anständigen Züchter und Händler" will ich allerdings an dieser Stelle auch noch folgendes sagen: Es gab Sie! Aber sie waren eindeutig in der Minderheit.

 

Wir danken Jürgen Kromer, www.boa-constrictor.de für die Genehmigung
zur Veröffentlichung seines Berichtes auf unserer Seite.

 

"Hamm – Deutschlands Hauptstadt des Naturschutzes" (oder so ähnlich) stand noch vor einiger Zeit auf der Homepage der Stadt Hamm zu lesen. Mittlerweile haben die Webdesigner dieses Attribut entfernt. Wir finden das angesichts der Tatsache, dass die "Terraristika" weiterhin zweimal jährlich von der Stadtverwaltung Hamm genehmigt wird, sehr vernünftig.