Die Fütterung

 

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Wie frisst die Schlange?

Wenn Sie ihrem Liebling das Maul aufmachen und hineinschauen (das sollte ab und zu einmal geschehen), werden Sie nadelspitze Zähne feststellen, die zum Kauen sicherlich nicht geeignet sind.

Das Gebiss der Boa dient dazu, die Beute festzuhalten und am Entkommen zu hindern.

Boa constrictor lauert in einem Versteck oder von einem Ast  herabhängend auf das unvorsichtige Tier, dass sich in ihre Reich­weite begibt. Blitzschnell stößt die Abgottschlange dann vor, packt ihr Opfer (im Idealfall) im Bereich des Kopfes, umschlingt es und drückt mit kaum vorstellbarer Kraft zu.

Durch den Druck wird es dem Futtertier unmöglich zu atmen. Mehrere Faktoren kommen zusammen: Der Schock beim plötzlichen Zupacken der Schlange, immenser Druck auf den Körper, der sich insbesondere auch auf das Gefäßsystem auswirkt, und damit einhergehend der Erstickungstod.

Typisches Anzeichen hierfür sind das weite Aufreißen des Maules (nach Luft schnappen), die blau verfärbte Zunge (Zyanose) und bei männlichen Ratten eine Erektion.

Wer einmal Zeuge dieses Vorganges geworden ist, wird in Zukunft (sofern er keinen Hang zum Sadismus hat) auf Lebendfütterung verzichten. Doch dazu später mehr.

Hat die Boa nun längere Zeit keine Lebenszeichen mehr von ihrem Opfer wahrgenommen, löst sie die Umklammerung und hakt ihr Gebiss aus dem Fell des Beutetieres.

Danach wird es intensiv bezüngelt. Dieser Vorgang dient dazu, die Sekretion der Verdauungssäfte zu aktivieren. Der Abgottschlange läuft gewissermaßen "das Wasser im Mund zusammen".

Es gibt Boas, welche diese Vorfreude eine halbe Stunde oder länger genießen, andere beginnen schon nach kurzer Zeit mit dem Verzehr.

Das Futtertier wird beginnend mit dem Kopf, gelegentlich auch mit dem Hinterteil zuerst verschlungen.

Riesenschlangen sind in der Lage, das Maul bis zur Grenze der Dehnfähigkeit ihrer Haut zu weiten. Die Arretierung zwischen Ober- und Unterkiefer findet bei Schlangen durch Sehnen und Bänder zwischen den knöchernen Anteilen der Kiefer statt, inkl. Muskeln natürlich. Ein klassisches Kiefergelenk fehlt also.

Beim Fressen der Beute schiebt die Boa abwechselnd die beiden Seiten des Maules über das Futtertier. Dadurch gerät es immer tiefer in den Schlund der Schlange. Bei Erreichen des Ösophagus sorgen peristaltische Bewegungen der Ösophagusmuskulatur für den Weitertransport in den Magen.

Auf diese Weise kann unsere Boa Tiere von einer Größe verschlingen, wo vorher jeder Unbedarfte seinen letzten Euro verwetten würde,  dass sie das nicht schafft.

 


Boa c. constrictor


 (Brasilien)

... beim Verspeisen eines Kaninchens

Hinweis:
Ausgewachsene Hasen oder Kaninchen sind kein geeignetes Futter für Boa constrictor

 

Futtertiere

Für die Gattung Boa constrictor gibt es eine breite Palette von Futtertieren. Insbesondere die großen Sorten (Boa c. constrictor, Boa c. occidentalis) sind wenig wählerisch. Bei neonaten Boas bieten sich Mäuse- oder Rattenbabys an. Die adulten Tiere nehmen liebend gerne (Monster-) Ratten, Meerschweinchen, Hasen und Hühner zu sich. Auch Wüstenrennmäuse oder Degos werden nicht verschmäht.

Aus eigener Erfahrung können wir bestätigen,  dass Zwerghasen das beste Futter für eine adulte Boa constrictor sind. Hier ist aber einschränkend zu sagen, dass keine ausgewachsenen Zwerghasen verfüttert werden sollten, sondern nur Jungtiere, die nicht größer sind als eine durchschnittliche adulte Ratte.

Während bei einer "Meerschweinchendiät" die Schlange gerne Fett ansetzt, scheinen die langohrigen Hoppler vor allem für Längenwachstum zu sorgen.

Es ist bestimmt nicht verkehrt, immer wieder einmal etwas anderes zu füttern. Das bringt für unseren Liebling etwas Abwechslung auf dem Speiseplan und schützt vor den möglichen Gefahren einseitiger Ernährung.

 

Tot oder lebendig?

Wir können jedem Schlangenhalter nur dringend empfehlen, seine Schützlinge mit frischtoten Futtertieren zu versorgen. Die Gefahr, dass Maus oder Ratte im Todeskampf unsere Boa erheblich verletzen, ist durchaus nicht so gering, wie man meinen möchte. So manche Schlange hat bei dieser Gele­genheit schon ein Auge verloren.

Auch kommt es nicht selten vor, dass Ratten, die über Nacht zur Boa ins Terrarium kommen, den Spieß umdrehen.

So geschehen bei der Boa c. imperator eines Bekannten, der ein unverfrorener Nager seitlich eine ca. Zwei­Euro-Stück große Fläche heraus gefressen hatte.

Die Wunde war etwa drei Millimeter tief und führte nach einer Infektion fast zum Tod des Tieres (wir meinen die Boa, die Ratte wurde erschlagen).

Über 90 % der in Gefangenschaft gehaltenen Schlangen nehmen willig tote Futtertiere an. Man muss nur ein wenig den Kasper machen und die tote Maus oder Ratte mit einer Futterzange vor dem Kopf der Boa hin- und herbewegen. Meistens genügt es schon, das Futtertier ins Terrarium zu legen.

Vergessen Sie bitte nicht, dass auch Nager Geschöpfe Gottes sind. Ein schneller Tod ist allemal gnädiger als der minutenlange Todeskampf in der Umklammerung des Reptils. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir keine Hinweise dazu geben, wie der Tod des Futtertieres am schnellsten zu bewerkstelligen ist. Bitte setzen Sie sich bei solchen Fragen mit dem für Ihren Wohnsitz zuständigen Veterinäramt in Verbindung und erwerben Sie den Sachkundenachweis zur Haltung von Riesenschlangen. Hier sollte bei der Schulung auch dieses Thema behandelt werden.

Sollten Sie tatsächlich ein Exemplar in Ihrer Boasammlung haben, das nur Lebendfutter annimmt, bieten Sie es der Schlange mit einer Futterzange an. Auf diese Weise wird die Gefahr, dass der Nager das Reptil verletzen kann minimiert.

 

Frostfutter

Am bequemsten für den Terrarianer ist das Frostfutter. Einige Reptilienhandlungen versenden gefrorene Nager, die im Sommer leider jedoch nicht immer in diesem Zustand ankommen.

Deshalb ist es am besten, lebende Tiere zu erwerben, schnell und schmerzlos zu töten und dann einzufrieren. Dabei werden auch Amöben und andere Parasiten, mit denen das Futtertier kontaminiert sein könnte, abgetötet.

Bei Bedarf ist es dann schnell aufgetaut. Das sollte aber gründ­lich geschehen, denn Boas wollen die Ratte nicht wie ein Speiseis lutschen. Der Nager, oder was immer Sie auch anbieten, muß beim Verzehr etwa handwarm sein, da die Schlange sonst krank werden könnte.

 

Vitamine im Futter

Ein Nachteil des Frostfutters soll nicht unerwähnt bleiben: Durch das Einfrieren gehen Vitamine verloren. Deshalb ist es notwendig, gelegentlich mit einem Multivitaminpräparat zu substituieren.

Am besten eignen sich hierbei Tropfen (erhältlich in der Apotheke).

Es ist aber davon abzuraten, diese auf das Futtertier zu träufeln, da die Schlange von dem Eigengeruch des Medikaments irritiert werden könnte. Günstiger ist es, das Präparat in einer Fertigspritze aufzuziehen und eine geringe Menge (je nach Größe der Schlange einen bis mehrere Tropfen) in den toten Nager zu injizieren.

An dieser Stelle sei davor gewarnt, es mit der Substitution zu übertreiben, denn das in den meisten Multivitaminpräparaten enthaltene Vitamin A kann bei Überdosierung dazu führen, dass die Schlange in sehr kurzen Abständen in die Häutung kommt. Oft dauert es sehr lange, bis der Organismus des Tieres das überschüssige Vitamin A wieder abgebaut hat.

Die natürlichste Weise, unsere Boas mit allem notwendigen zu versorgen ist, die Futtertiere selbst zu züchten und sie mit hochwertiger Nahrung zu ver­sorgen. Ratten lieben Obststückchen und Salatblätter. Nur mit alten Semmeln großgezogene Nager ergeben keine gute Schlangen­nahrung.

Noch etwas: Vermeiden Sie es, ein Futtertier, das verschmäht wurde, einer anderen Schlange anzubieten. Auf diese Weise sind schon üble Krankheiten von einem Terrarium ins anderen übertragen worden.

 

Größe des Futtertieres

Bleiben wir bei unseren neu erworbenen Nachzuchten, die - sagen wir einmal - vier Monate alt sind.

Einige der reinrassigen Unterarten der Gattung Boa c. constrictor, insbesondere Boa c. constrictor und Boa c. amarali, sind berüchtigt dafür, dass Sie im ersten Lebensjahr bei zu häufiger Fütterung oder unpassender Größe der angeboteten Nager die Nahrung halbverdaut wieder auswürgen.

Dem können Sie nur begegnen, wenn folgende Ratschläge beachtet werden:

Grundsätzlich sollten Jungschlangen vor der nächsten Fütterung immer den zuletzt erhaltenen Nager abgekotet haben. Ist dies nicht innerhalb der Vierzehntagesfrist geschehen, empfiehlt es sich, noch etwas abzuwarten.

Bedenken Sie, dass das Aus­würgen der Nah­rung Substanz kostet! Mehrmaliges Regurgitieren (so der Fachausdruck) hat schon vielen Abgottschlangen das Leben gekostet.

Das Auswürgen halbverdauter Nahrung führt zu einem nicht unerheblichen Flüssigkeitsverlust und somit zur Schwächung des Tieres.

Deshalb empfiehlt es sich, der betroffenen Boa eine Elektrolytlösung subcutan (un­ter die Haut) zu injizieren. 0,5 - 1ml Kochsalzlösung pro 100 Gramm Körpergewicht der Schlange als einmalige Gabe sind hier sehr hilfreich. Bei Bedarf nach 24 Stunden wiederholen.

Verdaut die Boa regelmäßig, kann man allmählich größere Futtertiere anbieten. Im Zweifelsfalle lieber öfter, aber dafür kleiner füttern.

Auch adulte Rotschwanzboas mit zweieinhalb Metern und mehr sollten noch mit Ratten oder jungen Zwerghasen gefüttert werden. Beim Verfüttern von Geflügel sollten Sie sich im klaren darüber sein, dass die Exkremente in der Regel breiig und stinkend ausfallen.

Futterspezialisten

Es kann immer wieder einmal vorkommen, dass Sie an eine Schlange geraten, die nur eine bestimmte Sorte von Futtertieren zu sich nimmt.

So etwas kann bei allen Boaunterarten passieren, wenngleich die Gefahr hier nicht so groß ist, wie beispielsweise bei den Königspythons, unter denen es Exemplare gibt, die lieber verhungern, als etwas anderes zu fressen als Rennmäuse.

Tja, was kann man also tun, wenn die Boa auf Hühnerküken oder Mäuse steht und jede noch so liebevoll gereichte Ratte ver­schmäht?

Einfach Küken und Mäuse weiterfüttern? So wird aus unserer Rotschwanzboa niemals ein 3-Meter-Brummer...

Unsere Lösung heißt "Kükenexpress"! Ein totes Hühnerküken und eine ebensolche Ratte werden mit Zahnseide oder ähnlichem zusammengebunden. Den Hals des Nagers schnüren Sie an den Beinen des Kükens fest und zwar so, dass ihre Boa auch mit größter Anstrengung die zwei Dutzend Knoten, die Sie (hoffentlich) gemacht haben, nicht lösen kann.

Sie werden erleben, wie Ihr Liebling mit Genuß das Küken frißt und nichts dagegen machen kann, dass die Ratte auch mit runterrutscht.

Zu solchen Tricks können wir auch greifen, wenn unsere Boa immer nur ein einziges Futtertier verschlingt (so etwas gibt es auch), obwohl sie mehrere nötig hätte. Hier werden dann einfach zwei Ratten zusammengebunden.

Missbrauchen Sie diese Art der Fütterung aber bitte nicht, um ihre Schlange zu mästen!

Eine andere Möglichkeit, die wir auch schon bei einem Mäuselieb­haber mit Erfolg praktizierten ist, eine tote Ratte im Mäusebehälter an der Stelle zu wälzen, wo die kleinen Dinger immer ihr Geschäft verrichten. Riecht die Ratte dann gründlich nach Mäusepisse (entschuldigen Sie den Ausdruck) wird die Schlange Stein und Bein schwören, dass es sich bei dem dargereichten Futtertier um eine besonders stattliche Maus handelt.

Mit dieser Vorgehensweise bringen Sie die Schlange nach einer Weile dazu, auch ohne solche Maßnahmen Ratten zu fressen. das selbe gilt auch für den "Kükenexpress"!

 

Wie oft soll die Schlange gefüttert werden?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Für Babys gilt, wie vorher schon erwähnt, dass man sie nicht öfters als alle 10 bis 14 Tage füttern darf (darf, nicht sollte!).

Haben sie das erste Lebensjahr gut hinter sich gebracht, ist es bei den größeren Unterarten (Boa c. constrictor, Boa c. occiden­ta­lis) durchaus empfehlenswert, ihnen ein Jahr lang wöchentlich etwas anzubieten. In diesem zweiten Lebensjahr ist das Wachstum am größten und alles, was die Schlange jetzt erhält, wird von ihr in Länge umgesetzt.

Besonders Nachzuchten von Boa c. constrictor entpuppen sich hier als wahre Mülleimer. So sehr sie im ersten Jahr mit dem Auswürgen Probleme bereiten können, so robust erweisen sie sich jetzt.

Natürlich müssen Sie ihre Abgottschlangen erst langsam an ein größeres Futterangebot gewöhnen. Es kann nicht angehen, dass Sie noch im Dezember alle 14 Tage eine Maus geben und im Januar jede Woche eine Mutterratte. Also, langsam steigern!

Wenn die Boas eine zufrieden stellende Größe erreicht oder etwas zuviel Fett angesetzt haben, ist das Fütterungsintervall wieder zu verlängern.

Als Faust­regel für die weitere Zukunft kann gelten: Adulte (ge­schlechtsreife) Weibchen bekommen alle 2 bis 3 Wochen, ebensolche Männchen alle 3 bis 4 Wochen etwas.

Wenn Sie stolzer Besitzer eines "Schlegels" von drei Metern sind, genügt es alle vier Wochen ein Meerscheinchen oder einen jungen Zwerghasen zu füttern. Abgottschlangen dieser Größe (nur die vorher beschriebenen Unterarten können solche Maße erreichen) wachsen in der Regel dann nur noch langsam und neigen dazu, Fett anzusetzen.  

 

Die Zwangsfütterung

Verweigert ein neugeborenes Boa constrictor Baby auch Wochen nach der ersten Häutung hartnäckig die Nahrung und befindet es sich in einem Zustand, wo nicht länger zugewartet werden kann, ist zwangsfüttern angesagt.

Zu diesem Zweck töten Sie ein Futtertier geringer Größe (Babymaus) und machen es mit Eiklar gleitfähig. Anschließend nehmen Sie den frisch toten Nager horizontal mit einer stumpfen Pinzette so, dass deren Enden nicht über den Kopf hinausragen. Dann schieben Sie das Futtertier in den Schlund der Schlange, bis es nicht mehr zu sehen ist. In den weitaus meisten Fällen wird dadurch der Schluckreflex des Schlangenbabys aktiviert und der Weitertransport des Nagers in den Magen ohne weitere Maßnahmen durchgeführt. Geschieht das nicht, massieren Sie den Nager vorsichtig in Richtung Körpermitte der Schlange, bis er an seinem Bestimmungsort angekommen ist.

Nach einer guten Woche können Sie erneut Futter anbieten. Bei Ablehnung erfolgt wieder Zwangsfütterung. Diese Prozedur muss solange wiederholt werden, bis das Tier selbständig frisst.

Meistens wird dies nach wenigen Wochen der Fall sein. Wir haben allerdings auch schon von hartnäckigen Verweigerern gehört, die mehr als ein Jahr zwangsgefüttert werden mussten.

Eine Zwangsfütterung von kranken Schlangen führt in vielen Fällen zum baldigen Ableben der Tiere durch den Streß der Zangsfütterung. Deshalb halten wir eine Zwangsfütterung nur bei Riesenschlangenbabys, die das Futter verweigern für vertretbar.

 

Ausscheidungen

Etwa drei bis fünf Tage nach der Fütterung scheidet die Boa Urin und Harnstein aus. Bei letzterem handelt es sich um weißlich bis gelbliche Ballen von weicher, manchmal auch harter Konsistenz.

Der später abgegebene Kot sollte geformt, von bräunlicher Farbe und nicht allzu überriechend sein (Maiglöckchenduft dürfen Sie allerdings nicht erwarten).

Beim Verfüttern von Federvieh können die Ausscheidungen breiig und übel riechend ausfallen. Es besteht aber kein Anlass zu Sorge, denn das ist in diesem Fall normal.

Auch brauchen Sie sich keine Gedanken zu ma­chen, wenn adulte Boas sehr lange nicht abkoten. Insbesondere Abgottschlangen der Subspezies Boa c. amarali sind Spezialisten im Kotsammeln, wie wir feststellen konnten. Bei ihnen muss man schon bei den Babys verhältnismäßig lange warten, bis die verabreichte Maus verdaut wieder zum Vorschein kommt.

 


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